Bundesweiter Sehbehindertentag: Ein Aktionstag in der Gemeinde Göttingen

Aus einem im Jahr 2009 für den 6. Juni 2010 geplanten Senioren-Liedernachmittag mit Werken des erblindeten Komponisten Max Hölting (1874-1950) entwickelte sich im Planungsverlauf eine Kooperation mit dem Blindenverband Süd-Ost-Niedersachsen (BVN). Und auch der für den 6. Juni 2010 vorgesehene örtliche Kindergottesdienst stand am Sonntagmorgen anlässlich dieses Tages unter dem Aktionsmotto "Mit anderen Augen sehen".

Anlässlich des 60. Todestags des erblindeten Dichters und Komponisten Max Hölting im Juni 2010 plante der Bezirksseniorenchor unter der Leitung von Priester i.R. Dieter Böhm (Göttingen) bereits 2009 einen Liedernachmittag mit Werken des neuapostolischen Musikers. Der 6. Juni wurde als Aufführungstag festgelegt - ein Sonntag, zeitnah zum Todestag Max Höltings am 28. Juni. Während der Planungsphase dachte man auch an persönlich bekannte Sehbehinderte und so entstand die Idee, insbesondere sehbehinderte Mitmenschen auf diesen Nachmittag aufmerksam zu machen und nach der Veranstaltung um eine Spende für einen örtlichen Sehbehindertenverband zu bitten.

Die Kontaktaufnahme zum Blindenverband Süd-Ost-Niedersachsen (BVN) in Göttingen erfolgte im Februar dieses Jahres und es entwickelte sich ein willkommener und reger Austausch an Ideen und Möglichkeiten. Alle Beteiligten freuten sich über das "zufällig" gewählte Datum für den Liedernachmittag: Der 6. Juni ist ein seit 1998 jährlich stattfindender bundesweiter Aktionstag vom Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV), um auf die Bedürfnisse Sehbehinderter aufmerksam zu machen.

Das Instrumentalensemble der Gemeinde Göttingen unter der Leitung von Michael Strauß schloss sich dem Liedernachmittag mit den teils musikalisch sehr anspruchsvollen Werken Höltings gern an. So entstand ein abwechslungsreiches Programm aus Musik- und Wortbeiträgen.

Der DBSV gab in seiner Aktionsschrift viele unterschiedliche Impulse für diesen Tag. Da der 6. Juni in diesem Jahr auf einen Sonntag fiel, wurden insbesondere christliche Kirchen angesprochen, ihre Sonntagsgottesdienste unter das Motto "Mit anderen Augen sehen" zu stellen.

Das markante Motto bildete dann am Sonntagmorgen auch einen Schwerpunkt im örtlichen Kindergottesdienst, zu dem die gesamte Gemeinde eingeladen war. Evangelist Andreas Krause legte dem Gottesdienst das Bibelwort 2. Mose 4,11 zugrunde:

"Der HERR sprach zu ihm: Wer hat dem Menschen den Mund geschaffen? Oder wer hat den Stummen oder Tauben oder Sehenden oder Blinden gemacht? Habe ich's nicht getan, der HERR?"

Der Kindergottesdienst wurde von den Kindern der Gemeinde feierlich, fröhlich und kindgerecht gestaltet: Sie begrüßten die Gottesdienstteilnehmer an der Eingangstür, schmückten den Altar mit ihren bunten, aus Papier ausgeschnittenen Händen und musizierten alleine oder zusammen mit der Gemeinde. Vor dem Gottesdienst erfolgte eine Lesung, am Ende wurde jeder Gottesdienstteilnehmer mit einer Rose und einem ausgeschnittenen Herz beschenkt, auf dem zu lesen war: "Man sieht nur mit dem Herzen gut."

Das Nachmittagsprogramm startete um 15 Uhr mit einer Vorstellung des BVN. Nach der Begrüßung durch Bezirksevangelist Joachim Richter (Göttingen) gaben Matthias Schmid (Beiratsmitglied), Regine Rohmann (Gruppenleiterin der Kreisgruppe Göttingen) sowie Andrea Holzapfel (stellvertretende Vorsitzende des Regionalvereins Süd-Ost-Niedersachsen und Leiterin der Regionalgruppe Duderstadt) gern Einblicke in ihre Arbeit.

Im Kirchenfoyer waren einige Hilfsmittel und Informationsmaterialien des BVN ausgestellt und die Mitglieder des BVN stellten sich den vielen Fragen der interessierten Besucher. Auf die Frage, was sie sofort in der Stadt Göttingen verändern würde, sagte Regine Rohmann nicht ohne auch ein bisschen stolz darauf zu sein, dass nun aufgrund ihrer Initiative ein Fahrstuhl mit Stockwerkansage am Alten Rathaus und dem darunter liegenden und gerade in Renovierung befindlichen "Ratskeller" entstehen wird.

Ab 16 Uhr startete im Kirchenschiff das Programm des Liedernachmittags mit dem gemeinsam gesungenen Hölting-Lied "Seid willkommen Gotteskinder". Bischof i.R. Gerhard Irmer (Seesen) führte durch das Programm und gab zwischen den musikalischen Beiträgen des Bezirkssenioren- und -männerchores sowie des Instrumentalensembles der Gemeinde Göttingen viele wissenswerte und gefühlvolle Einblicke in das Leben und Wirken Max Höltings. Der kurzweilige Nachmittag bot neben der Musik Max Höltings viele Gelegenheiten zum Dialog mit den Sehbehinderten und am Ende sammelten die Teilnehmer nach dem gemeinsam erklungenen Schlusslied "Nun danket alle Gott" knapp 300 Euro für den BVN.

In ihrem Dankesschreiben einige Tage nach der Veranstaltung brachten Gisela Wolters (Vorsitzende) und Petra Engelbert (Mitarbeiterin im sozialen Dienst) nochmals ihren Dank und die Freude über die positive Resonanz dieses Aktionstages zum Ausdruck: "Der Blinden- und Sehbehindertenverein möchte sich auf diesem Wege ganz herzlich bei Ihnen und Ihrer Kirchengemeinde für den wunderschön gestalteten Gottesdienst und den anschließenden gelungenen Nachmittag im Rahmen des Sehbehindertensonntags bedanken. Die gute Zusammenarbeit hat uns viel Spaß bereitet. Der Liedernachmittag der Chöre und des Instrumental-Ensembles war für uns sehr eindrucksstark und gab einen Eindruck von der Gefühlswelt und der inneren Verfassung des Komponisten Max Hölting wieder. Ein ganz besonderer Dank gilt allen Spendern, die den Blinden- und Sehbehindertenverein mit der zugedachten Geldspende so großzügig unterstützt haben. Wir werden das Geld selbstverständlich dort einsetzen wo es seinem Zweck dient und den Blinden und Sehbehinderten zu Gute kommt. Wir würden uns freuen, wenn wir auch in der Zukunft noch weitere so schöne Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit Ihnen ausrichten könnten."
Ein Wunsch, dem sich die Anwesenden dieses Aktionstages sicher gern im Rahmen der Möglichkeiten anschließen. Fazit: Ein schöner "Datumszufall" mit besonderen, nachhaltigen Eindrücken.

Bericht: akli. Fotos: H.B. / akli.

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