Letzter Gottesdienst in Braunlage

Bereits 1921 versammelte sich eine kleine Schar neuapostolischer Christen zu Gottesdiensten in Braunlage. 90 Jahre später wurde nun trotz großen Engagements der Seelsorger mit ihren Gemeindemitgliedern die Gemeindeschließung erforderlich. Die Gemeinde entschloss sich zu diesem schweren Schritt und blickt nun hoffnungsvoll in die Zukunft.

Am Sonntag, 19. Juni, fand zum letzten Mal ein Gottesdienst in der neuapostolischen Kirche in Braunlage statt, den Bezirksältester Reinhold Merker hielt und zu dem auch die Gemeinde Bad Lauterberg eingeladen war. Nach dem Verlesen des Bibelwortes „Viel Friede zuvor! (…) Denn er ist der lebendige Gott, der ewig bleibt, und sein Reich ist unvergänglich, und seine Herrschaft hat kein Ende.“ (Daniel 6, aus 26 und 27) ging der Bezirksälteste zunächst auf das besondere Zusammensein ein und verlas einige Eckdaten aus der Gemeindechronik. Auf die Sorgen, die nun jedes Gemeindemitglied mit dem Gemeindewechsel verbindet, gab er eine hoffnungsvolle Zusage: „Gott ist mit uns, er bereitet alle Wege und bleibt in Ewigkeit“, rief er den knapp 90 Gottesdienstteilnehmern, darunter auch Bürgermeister Stefan Grote aus Braunlage, zu. Der Bezirksälteste bedankte sich auch im Namen der Apostel sehr herzlich für das vielfältige Engagement und rief jeden einzelnen dazu auf, sich nun in seiner jeweiligen neuen Gemeinde wieder mit ganzem Herzen einzubringen.

Priester Bernd Müller ging besonders als ehemaliger Gemeindevorsteher von St. Andreasberg auf die erlebte Gemeinschaft ein. Trotz Unterschiedlichkeiten sei die Gemeinde Braunlage seit dem Zusammenschluss mit der Gemeinde St. Andreasberg eine friedevolle Heimat geworden und man erlebte eine wertvolle Zeit miteinander. „Als Christ schafft man Frieden“, so Priester Müller. Er schloss mit dem Wunsch, diese wohltuende Gemeinschaft auch weiterhin erleben zu dürfen.

Evangelist Hans-Joachim Schwandt (Gemeinde Bad Harzburg, Kirchenbezirk Wolfenbüttel) dankte für die gemeinsamen Aktivitäten und Hilfestellungen über die Bezirksgrenzen hinaus und merkte an, dass das Christsein auch immer bedeute, Standorte zu verändern. Eingehend auf den Chorvortrag „Der Heiland sorgt für dich“ unterstrich er nochmals diese friedenschaffende Zusage. „Wir freuen uns auf euch! Bringt euren Frieden mit, der gemeinsam belebt!“ rief er denjenigen zu, die künftig zu seiner Gemeinde zählen werden.

Die aktiven Amtsträger der Gemeinde, Priester Bernd Müller und Diakon Klaus Jakubczik, wurden durch den Bezirksältesten für die Gemeinde Bad Lauterberg bestätigt. Ursula Winkelmann dankte der Bezirksälteste für ihr Engagement in der musikalischen Gestaltung der Gottesdienste sowie der vielfältigen Organisation und Hilfsbereitschaft. Schwester Winkelmann nahm gemeinsam mit ihrem Mann den ihr überreichten Blumenstrauß entgegen.

Im Schlussgebet entwidmete Bezirksältester Merker das Kirchengebäude und übergab es seiner weiteren Bestimmung. Alle Gottesdienstteilnehmer waren im Anschluss noch zum Verweilen bei Kaffee und Kuchen eingeladen.


Kurzer Einblick in die Gemeindegeschichte

Neuapostolische Christen versammelten sich bereits 1921 zu Gottesdiensten im Café Zapprun und im Hotel „Blauer Engel“. Danach dienten verschiedene angemietete Räume den Gläubigen zu gottesdienstlichen Zwecken. In der Zeit des Zweiten Weltkrieges war es aufgrund der politischen Lage kaum möglich, Gottesdienste zu halten und zu besuchen. So nahmen die Gläubigen den Weg nach Wernigerode auf sich, um Gottesdienste ungehindert besuchen zu können.

Die Gemeinde wuchs, so dass die heutige Kirche in der Lauterberger Straße gebaut werden konnte. Am 19. Juni 1965 wurde das Gotteshaus durch Bischof Ernst aus Hannover feierlich geweiht. Zuletzt zählte die Gemeinde etwa 40 Gemeindemitglieder, die von vier Seelsorgern betreut wurde. Viele Kur- und Urlaubsgäste aus ganz Deutschland nutzten während ihres Aufenthaltes das Gottesdienst- und Seelsorgeangebot und blieben der Gemeinde oftmals darüber hinaus weiter verbunden.

Im Jahr 2005 kam es aufgrund der Zusammenführung der Gemeinden St. Andreasberg (Kirchenbezirk Göttingen) mit der Gemeinde Braunlage (Kirchenbezirk Wolfenbüttel) zu einer organisatorischen Veränderung. Künftig zählte die um die Gemeindemitglieder aus St. Andreasberg erweiterte Gemeinde Braunlage zum Kirchenbezirk Göttingen. Neuer Gemeindevorsteher wurde Evangelist Matthias Müller, der zuvor als Priester in der Gemeinde St. Andreasberg tätig war.

Mit anderen christlichen Kirchen entstanden unter den beiden letzten Gemeindevorstehern Braunlages, Priester Burckhard Winkelmann (1992 – 2005) sowie Evangelist Matthias Müller (2005 – 2011), freundschaftliche Kontakte. Nach ihren Möglichkeiten brachte sich die kleine Schar auch bei öffentlichen Veranstaltungen, beispielsweise bei der Aktion „Lebendiger Adventskalender“, in Braunlage mit ein.

Lebendige und starke Gemeinden sind ein besonderes Anliegen der Kirchenleitung. Auf dem Hintergrund der Bevölkerungsentwicklung regte Bezirksapostel Wilfried Klingler auf dem Vorstehertag in Niedersachsen an, gemeinsam nach Wegen für zukunftssichere Gemeinden zu suchen. Vorsteher und Bezirksämter der Harz- und Harzrand-Gemeinden der Kirchenbezirke Wolfenbüttel und Göttingen sind sich ihrer Verantwortung bewusst und haben sich zu einer Arbeitsgruppe zusammengeschlossen. Die Gruppe wird von den jeweiligen Bezirksältesten Andreas Dahlke (Kirchenbezirk Wolfenbüttel) und Reinhold Merker (Kirchenbezirk Göttingen) geleitet und hat sich eine lebendige Gemeindestruktur zum Ziel gesetzt.

akli.