Profanierung in Einbeck

Nach einer 90-jährigen Gemeindegeschichte entwidmete Bezirksältester Marco Scheuchzer am Sonntag, 28. September, die 1986 erbaute Kirche in Einbeck. Das Kirchengrundstück erwarb das benachbarte Pädagogisch-Therapeutische Förderzentrum e.V. (PTZ). Die Gemeindemitglieder und ihre Seelsorger werden überwiegend in die nächstliegende neuapostolische Gemeinde nach Northeim integriert.

Die Schließung einer Kirche ist ein schmerzlicher Prozess, dem viele Gespräche und Gedanken vorausgehen. Die Einbecker Glaubensgeschwister und ihre Seelsorger mussten sich in den letzten Jahren mit diesem Schritt beschäftigen. Dabei waren rückläufige Mitgliederzahlen und mangelnder Nachwuchs in der Seelsorge und der Gemeindearbeit auf der einen Seite sicher nachvollziehbare Gründe. Auf der anderen Seite stand jedoch die 90-jährige Gemeindegeschichte in der knapp 32.000 Einwohner zählenden Stadt und die Aufgabe einer Kirche am Ort, mit der jedes Gemeindemitglied persönliche Erinnerungen verbindet und in der man unzählige Segnungen erlebte.

Noch am Sonntag, 21. September, feierte die Gemeinde einen schönen familiären Abschied im vertrauten Kreis mit einem gemeinsamen Gemeindefest nach dem Gottesdienst. Zum letzten Gottesdienst am Sonntag, 28. September, kamen neben der Gemeinde viele, die sich mit den neuapostolischen Christen in Einbeck verbunden fühlen und dort ebenfalls ehrenamtlich tätig waren. Die Bürgermeisterin, Dr. Sabine Michalek, Kirchennachbarn, Vorstandsmitglieder sowie Vertreter des PTZ (Vorstandsvorsitzende Dr. Isolde Zinser-Schulz, Christiane Folttmann, Mitglied des Beirats sowie Gert Tölke, 1. stellvertr. Vorstandsvorsitzender) sowie die örtliche Presse nahmen am Gottesdienst ebenfalls teil.

Bezirksältester Marco Scheuchzer stellte den Gottesdienst unter das Bibelwort Nehemia 8, aus 10:

„Und seid nicht bekümmert; denn die Freude am Herrn ist eure Stärke.“

Der Bezirksälteste stellte dabei besonders heraus, nicht in den dunklen, trüben Gedanken zu verharren, sondern immer wieder die Freude am Herrn in den Mittelpunkt zu stellen. Gott verlässt nicht, er ist in Ewigkeit ein Gott der Liebe und der Gnade. In seiner Allmacht liegen alle Dinge, auch wenn wir nicht immer alles verstehen und oft nach dem Warum fragen. Und so können die neuapostolischen Christen aus Einbeck auch mit Zuversicht in ihre neue Gemeinde nach Northeim wechseln, denn die Freude am Herrn gestern und heute bleibt auch morgen die Stärke jedes Einzelnen, sicherte der Bezirksälteste zu.

Hirte Schwarz verlas einige Eckdaten aus der Gemeindechronik, die am Folgetag auch in einem ausführlichen Zeitungsartikel der Einbecker Morgenpost zu lesen waren (Artikel mit freundlicher Genehmigung der Einbecker Morgenpost s. unten).

Einen besonderen Dank sprach Bezirksältester Scheuchzer den beiden zuletzt verbliebenen Seelsorgern der Gemeinde, Hirte Herfred Schwarz sowie Diakon Jens Reinholz aus und überreichte ihnen dafür symbolisch einen Blumenstrauß. Hirte Schwarz zählt bereits seit Jahresbeginn zur Leitung des Gemeindeverbunds im Norden des Kirchenbezirks, bestehend aus den Gemeinden in Northeim, Kalefeld-Willershausen und Einbeck.

Nach der Feier des Heiligen Abendmahls richtete auch Gert Tölke, 1. stellvertretender Vorsitzender, als Vertreter des PTZ einige einfühlsame Worte an die Gemeinde. Es sei der Gemeinde sicherlich schwer gefallen, sich von ihrem Kirchengebäude zu verabschieden. Aber er stellte auch fest, dass man vor Veränderungen nicht die Augen geschlossen und rechtzeitig gehandelt habe. Herr Tölke betonte das gute nachbarschaftliche Verhältnis und die positiven Verhandlungsgespräche mit der Kirchenleitung, die zu einem tragbaren Ergebnis führten. Er sicherte der Gemeinde eine gemeinnützige Verwendung des Grundstücks im Rahmen des PTZ zu. Konkrete Pläne aber existierten derzeit noch nicht, so Gert Tölke.

Im anschließenden Gebet, dem sich das Schlussgebet anschloss, profanierte (= entwidmete) Bezirksältester Scheuchzer die Einbecker Kirche, die nun wieder ein gewöhnliches Gebäude darstelle. Davon ausgenommen seien jedoch die Segnungen und Begegnungen mit Gott, die in dieser Kirche stattfanden und die Ewigkeitsbestand haben, betonte er.

Musikalisch wurde der Gottesdienst neben dem Gemeindegesang von Instrumentalisten und dem Gemeindechor gestaltet.

Rückblick - Ausblick

Der Gemeindevorsteher, Hirte Herfred Schwarz, pflegte zum benachbarten Pädagogisch-Therapeutischen Förderzentrum (PTZ) eine gute Nachbarschaft. Und so wurden Gespräche über die anstehende Kirchenschließung und den Verkauf aufgenommen. 2013 erwarb das PTZ nach guten Verhandlungsgesprächen mit der Kirchenleitung in Hannover das direkt angrenzende, über 1.600 qm große Kirchengrundstück. Die Kirche selbst ist für die Weiterverwendung durch das PTZ baulich leider ungeeignet. Ein Abriss ist noch für den Herbst 2014 vorgesehen. Der Altar sowie nahezu das gesamte Inventar der Einbecker Kirche wird einer neu gebauten neuapostolischen Kirche auf den Andamanen zugutekommen.

Am Sonntag, 12. Oktober , feierten Einbecker und Northeimer Glaubensgeschwister einen besonderen Auftaktgottesdienst in der neuapostolischen Kirche in Northeim. Bezirksevangelist Joachim Richter (Gemeindevorsteher in Kalefeld-Willershausen) stellte ihn unter die Bibelworte "Gehe (...) in ein Land, das ich dir zeigen will." (1. Mose 12, aus 1). Eine schöne Idee von Einbecker Gemeindemitgliedern wurde in Northeim gern angenommen und gleich in die Tat umgesetzt: Als sichtbare Erinnerung ziert die Einbecker Altar-Platte mit dem Bibelwort "Siehe, ich komme bald." (Offenbarung 22,12) nun den Altar in Northeim.

akli. / Fotos: akli., HW, HS